Craft Transalp 2013 – Ein Querschnitt

Ich habe gelernt mich in vielen Situatonen nicht selber verrückt zu machen. Das ist eigentlich einfach, man muss sich nur nicht ständig die „Was wäre wenn?“ oder die „Habe ich das Richtige getan?“-Fragen stellen. Umso mehr man über die Suppe nachdenkt, die man sich selber eingebrockt hat, umso eher kommen die Zweifel an der Sache. So hielt ich es dann auch für die Transalp.

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Dieses und viele andere Panoramen auf der Transalp ließen einen doch zeitweise die Quälerei vergessen, die man bis dahin auf sich genommen hatte. Hier folgt nun ein Querschnitt meiner persönlichen Quälereien und Höhepunkte.

In der ersten Etappe ging es auf das Karwendel hinauf. Wenn man es nicht gewohnt ist,  war es schon ziemlich anstrengend die langen Anstiege zu fahren, aber so eine richtige Quälerei war es noch nicht.

Das sah bei der zweiten Etappe von Anfang an schon anderes aus. Mir bekamen die Nudeln nicht, ich musste mich die halbe Nacht übergeben und fand dadurch keinen Schlaf. Dementsprechend war mein Zustand am nächten Tag auch. Christian machte sich Sorgen und erzählte mir gerne das ein oder andere Mal, dass ich nicht so richtig wie das blühende Leben aussehe.
Rosige Aussichten bekam man beim betrachten des Etappenprofils auch nicht gerade. Es ging auf das Pfitscher Joch. In Zahlen ausgedrückt heißt das 30 Km bergauf und zwar von 550 Hm auf über 2.000 Hm. Im gesunden Zustand wäre es schon hart gewesen, aber so wurde es zur ersten harten Prüfung auf dieser Transalp. Vor dem zweiten Berg, dem Spinges, hatte ich Angst. Christian warf die Frage auf „Wo sollen auf den letzten 10km noch 600 Hm herkommen?“ Die Antwort folgte in 5 Kehren zu je 15% Neigung. Den Anstieg hinauf sagte ich immer wieder zu mir „Selber Schuld und jetzt rauf da.“ Meine Oberschenkel brannten. Auf der anderen Seite folgten flowige Singletrails und nicht diese charakterlosen Abfahrtstraßen, die es den Pfitscher Joch runter ging.

sportograf-40768697_lowresDie dritte Etappe fing auch mit einer Quälerei an. Die hieß allerdings Startblock C. Kurz erklärt: Block A1 ist für die Profis, Block A sind die schnellen , Block B die ambitionierten und Block C der Rest. Unsere Einteilung ging Hand in Hand mit unser Fahrrzeit vom Vortag.  Mein Zustand bei dieser Etappe – hervorragend! Die 1800 Hm Anstieg zur Lüsener Scharte nahmen wir sportlich. Wir redeten nicht drüber, aber uns beiden war vor dem Start klar – heute „Always Vollgas“. Mit einer kleinen Hoffnung auf das rote Trikot. Dies bekommt man für das kämpferischste Team der Etappe. Knapp vorbei. Die Etappe hat mir die erste positive Quälerei gelehrt. Es lief richtig gut und dabei durchstörmte es einen mit Adrenalin und man bekommt eine Gänsehaut während man das Gefühl hat, dass einem dieser Berg keine Schmerzen zufügen kann. Das gepaart mit der nonverbalen Teamarbeit machte diesen Tag  zu einem unvergesslichen Moment.

Vom Start der 4. Etappe ging es gleich bergauf. Der Anstieg folgte über die Fanes Hütte bis hoch zum Limojoch auf 2100 Meter. Ein 18 Km Anstieg mit humanen Neigungen – bis jetzt. Das änderte sich nach der ersten Abfahrt, ab dem Rifugio Cinque Torri, bis zum 2.500 Hm hoch gelegenen Rifugio Avergau wurde es immer steiler. Die Umgebung wandelt sich in eine enzigartige Gerölllandschaft. Irgenwann hieß es laufen, fahren ging nicht mehr. Anstiege mit über 21% liegen mir nicht, genauso wenig wie wandern mit Radschuhen. Hier bekam ich die ersten Zweifel und holte mir Zuspruch bei Christian. Nach der harten Aufstiegsarbeit folgte die Abfahrt. Die Raceleitung redete bei dem Etappenbriefing immer von epischen, flowigen Trails. Hä?  Bergab wusste ich was er meinte. Bremse auf und los. Zuerst diese absolut faszinierende Ausicht und dann ein nahezu endloser Trail – für mich ergab das rechnerisch ein 70%iger positiver Quälanteil.

sportograf-40780450_lowres Etappe 5 oder auch als Königsetappe tituliert, versprach auf dem Weg zum  höchsten Berg der Etappe, anhand des Sägezahnprofils, schon eine nette Aneinanderreihung von vielen steilen Quälerein. Nach einer kurzen Bergabfahrt ging es weiter über enge verwinkelte Straßen mit Steigungen bis zu 27%. Ziemlich flott gingen wir in den Wandermodus über und das nicht nur ein Mal an diesem Tag. Bis zum Somor kamen noch einige verwurzelte Trails, die zu einer Wanderstrecke mutierten. Christian war nicht amüsiert über diese Passagen und fluchte wie ein Rohrspatz. Eigentlich lief es ziemlich gut. Eigentlich – auf einmal kam einer von hinten und zog bei mir den Stecker. Power off. Trapatoni hätte wohl gesagt: Habe Beine wie Flasche leer. So etwas hatte ich noch nie erlebt und kannte es nur aus Erzählungen von anderen Radsportkollegen. Ich glaube, dass ich ohne Christian in den Besenwagen gestiegen wäre, denn den letzten Anstieg über eine alte Militärstraße konnte und wollte ich mental nicht mehr bestreiten. Umso glücklicher war ich bei der Etappenankunft in San Martino.

img_20130719_1317161Die Etappe 6 und 7 fielen flach aus – eher gesagt für mich ganz aus. Um es an dieser Stelle kurz zu machen. Mein Allerwertester wies nach der harten Arbeit der letzten 5 Etappen eine schmerzhafte, in From eines Abszess, Inkompatibilität mit dem Sattel auf. Nähere Infos sind in den Etappenberichten 6 und 7 zu finden.

Während Christian sich als Individualfahrer weiter im Rennen befand, richtete ich derweil unsere Ruhestätte her und versuchte ihm dadurch ein bisschen Betreung zukommen zu lassen. Um nicht vor Langerweile zu vergehen, suchte ich mir einen Job und wurde bei Alfred fündig, der den SRAM Service auf der Transalp machte. Für die 7. Etappe war ich Mechaniker beim SRAM Service.

8. Etappe
img_20130719_1623401Die größe Quälerei waren nicht die steilen Anstiege oder die langen bergauf Passagen – Es waren vielmehr die 2 Tage, die ich nicht starten konnte. Die Starts an den beiden Etappenmorgen konnte ich mir nur schwer mit anschauen. Nach gründlicher Fehleranalyse kaufte ich mir in Rovereto einen neuen Sattel. Ich wollte unbedingt die 8. Etappe fahren. Morgens am Start war ich noch skeptisch, ob mein Konzept vom neuen Sattel aufging. Bei der einen oder anderen Passage schmerzte es gewaltig, aber zu 70% funktionierte es und darüber habe ich mich so sehr gefreut, das ich direkt in den „Always Vollgas!“ Modus ging. Christian fand das nicht so lustig. Endschuldigung an dieser Stelle nochmal. Nach der Hälfte des 18 Km Anstieges, war er wieder da: Mein Freund, der 27% steile Anstieg. Nach einiger Zeit kam Christian von hinten angefahren und fragte mich im ruppigen Bauarbeiterton, ob ich ihn verarschen will. Mit Recht. Ab da fuhren wir in einem zügigen Tempo in Richtung Ziel.

sportograf-40792492_lowresDie Zielankunft war überwältigend. So etwas hatte ich bis jetzt nur bei meinem ersten Cyclassics-Rennen erlebt. Getoppt wurde es noch davon, dass meine Freundin Maren den weiten Weg nach Riva auf sich genommen hatte, um mich in Emfang zu nehmen. Trotz allen vorangegangenen Umständen war es ein unvergessliches Erlebnis und der Ruf nach einer Wiederholung ist jetzt schon ganz leise in meinem Hinterkopf zu hören. Und wenn ich Christian mit meiner Art nicht zu sehr verschreckt habe, am liebsten mit ihm. Vielen Dank Christian, es waren 8 erlebnissereiche und herrliche Tage zusammen.

Zu dem haben wir echt super Typen kennengelernt. Da wären Christoph aka Johnny Lemgo Cash 😉 und sein Teammate Stuart (Mr. Healing Honey aus Oxford). Mario, der von Anfang an als Einzelfahrer am Start stand. Wolfi, der in Zürich lebende Exil-Bayer mit Adam (Mr. Twicetime Across America). Jan vom Team Herzlich Zypern/Bergamont und Jacob (Rad Salon). Es waren tolle Tage und zuletzt ein super Abschlußabend.

67 Actionbilder fotografiert von Sportograf findet ihr hier

Ab dieser Woche wird sich auf die Cyclocross-Saison 2013/2014 vorbreitet. Danach werden Pläne für das nächte epische Erlebnisse geschmiedet und drauf vorbereitet.

Cheerio
Hauke

Ein Ganz großer Dank geht

schwalbe_Logo …an #Schwalbe für den gewonnen Startplatz und das Topmaterial, das ihr uns zur Verfügung gestellt habt. Racing Ralph und Rocket Ron machen ihre Arbeit wie ein guter Soldat und meldeten am Ende keine (Luft)Verluste.

BGM_Logo…an #Bergamont Bicycles (in Person Herrn Stefan Berkes) für das Sponsoring und die Einkleidung. Auf unserem Revox und Fastlane haben wir uns extrem wohl gefühlt. Die Räder sind sehr gute Begleiter für die Transalp und noch viele weitere Rennen.

squeezy_logo…an #Squeezy für die „Bewirtung“. Die spezielle Sporternährung hat uns gut über den Berg gebracht.

 

cep_logo…und zuletzt bei #CEP für die Kompressionssocken die ihren Anteil zur Regeneration beigetragen haben.

 

5 Antworten auf Craft Transalp 2013 – Ein Querschnitt

  1. Gunnar sagt:

    Ein schöner Bericht, durchhalten ist alles aber „wenn nicht mehr geht dann geht nicht mehr“!
    Mir geht es ähnlich wenn ich auf Röm im Waschgang hänge und samt Material so 5 bis 10 Minuten nach Luft schnappend durchgeschleudert werde, dann nehme ich mir jedes mal vor mir mal einen ruhigeren Spot zu suchen. Aber nächstes mal bin ich dann doch wieder Richtung Röm unterwegs, das nenn ich Sucht zur Herausforderung!

  2. Guido Pantanini sagt:

    Warum erinnert mich Dein verkorkster Magen nur an mein Tour-Transalp-Debut? Jedenfalls folgten dann ja bekanntlich noch 4 weitere Teilnahmen … also Hauke, auf gehts …

    LG

    Guido

  3. Christian und Sabine sagt:

    Supi Leistung Hauke, einfach klasse

  4. Stefan sagt:

    ganz toller bericht mit schönen einblicken. noch mal glückwunsch zu dieser leistung.

  5. Ralph sagt:

    Einfach ein Traum.

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